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Unternehmertum

Von einer Agentur zu 6 Firmen: 3M im Monat, 100+ Team

09. Juli 2026 · 14 Min. Lesezeit · Markus Feldmann
Unternehmer plant den Aufbau einer Firmengruppe mit mehreren Beteiligungen am Whiteboard

Die meisten Agenturinhaber stellen ab einem gewissen Umsatz dieselbe Frage: Was ist die nächste Ausbaustufe meiner Firma? Und fast alle bekommen dieselbe schlechte Antwort: Verkauf sie oder bau eine Software. Beides kann richtig sein, ist aber selten die beste Option. Wer eine Firmengruppe aufbauen will, denkt anders. Nicht in einem großen Exit, sondern in einem Portfolio aus Firmen, die sich gegenseitig tragen.

Ich zeige dir hier, wie aus einer einzelnen Agentur ein Konstrukt aus sechs Beteiligungen mit über 100 Mitarbeitern und rund 3 Mio Umsatz im Monat wird. Welche Arten von Firmen es gibt, welche du heute noch dazunehmen würdest und welche nicht. Warum Cashflow fast immer wichtiger ist als ein glänzender Verkaufspreis. Und wann der richtige Zeitpunkt ist, um überhaupt mit Beteiligungen anzufangen. Kein Theoriemodell, sondern die Logik hinter einem real gewachsenen Portfolio.

Eine Sache vorweg: Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Es gibt drei, und du musst nur wissen, welchen du gehst. Verkaufen, skalieren oder delegieren. Alles andere baut darauf auf.

Was heißt es, eine Firmengruppe aufzubauen?

Eine Firmengruppe aufzubauen heißt, aus dem Cashflow und dem Know-how eines Kerngeschäfts weitere Firmen zu starten oder zu übernehmen, statt das gesamte Kapital in einer einzigen Firma zu binden. Statt eines großen Exits entsteht ein Portfolio, in dem Firmen mit stabilem Cashflow die kapitalhungrigen Wachstumsfirmen finanzieren.

Der Kern dahinter ist eine einfache Einsicht: Deine Agentur oder Dienstleistung ist selten das Endprodukt, sondern der Motor. Sie wirft Gewinne ab, sie liefert Skills, sie hat ein Team, das weiß, wie man von null auf Umsatz kommt. Genau das ist der Rohstoff für weitere Firmen. Andrew Wilkinson ist das Standardbeispiel: Er hat seine Agentur auf rund 20 Mio Umsatz gebaut, sie nie verkauft und die Gewinne konsequent in Beteiligungen gesteckt. Ergebnis war zwischenzeitlich eine Milliardenbewertung des Portfolios, mit Ende 30. Nicht durch einen Exit, sondern durch Reinvestition.

Der Denkfehler, den fast alle machen: Sie sehen ihre Firma als Sackgasse. Entweder ich verkaufe, oder ich sitze für immer 60 Stunden die Woche drin. In der Praxis zeigt sich, dass genau dazwischen der spannende Raum liegt. Du delegierst so weit, dass die Firma ohne dich läuft, und nutzt sie als Vehikel für alles Weitere. In einem realen Portfolio funktioniert eine Agentur mit rund 800.000 Euro Cashflow im Monat genau so: als Geldquelle für sechs weitere Beteiligungen.

Wenn du zuerst verstehen willst, wie ein Portfolio strukturell aufgebaut ist, lies parallel den Beitrag zur Unternehmensstruktur mit mehreren Firmen. Der legt das Fundament für alles, was hier folgt.

Welche Arten von Firmen gibt es überhaupt?

Grundsätzlich lassen sich Firmen an zwei Merkmalen einordnen: Exit Value und Cashflow. Exit Value beschreibt, ob und wie gut die Firma verkaufbar ist. Cashflow beschreibt, wie viel Geld sie dir monatlich frei zur Verfügung stellt. Fast jede Entscheidung über eine Beteiligung hängt an diesen beiden Achsen.

Exit Value hat längst nicht jede Firma. Eine reine Personenmarke, etwa ein Coach, der Leuten hilft, ein Copywriting-Business zu starten, hat kaum echten Verkaufswert. Zu wenig Bestandskundenumsatz, zu starke Abhängigkeit von einer Person. Solche Firmen werden praktisch nie verkauft. Als Faustregel gilt: Unter rund einer Million Euro Gewinn pro Jahr ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass jemand deine Firma kauft. Ausnahmen gibt es im Softwarebereich, aber die Regel trägt. Der einfachste Test ist der Markt selbst: Schau dich um, ob in deinem Segment überhaupt Firmen gekauft werden. Wenn nicht, hat deine wahrscheinlich auch keinen Exit Value.

Cashflow dagegen ist überall dahinter, die Frage ist nur die Richtung. Bei manchen Firmen fließt Geld heraus, das du ausschütten kannst. Bei anderen fließt es hinein, weil Wachstum Kapital verschlingt. Das ist der entscheidende Unterschied, und er wird massiv unterschätzt.

FirmentypExit ValueCashflow bei Wachstum
Agentur / Dienstleistungmittel (verkaufbar ab Größe)stark positiv
B2C-Coachingkaum vorhandenstark positiv
E-Commercehochnegativ (frisst Kapital)
Software / SaaShoch bei geringem Wachstumoft neutral bis negativ
Lokale Kette / Standortehoch (schwer kopierbar)positiv, hoher Compounding-Effekt

Ein Detail zur Software, das viele überrascht: Ein starkes Wachstum kann den Firmenwert sogar drücken. Eine gängige Bewertungslogik addiert Wachstumsrate und EBIT-Marge in Prozent und multipliziert das Ergebnis grob mit dem Faktor 40. Wächst eine Softwarefirma sehr schnell, sinkt oft die Marge, und die Bewertung leidet. Software ist nicht automatisch die Goldgrube, als die sie gehandelt wird.

Cashflow oder Exit Value: Was zählt mehr?

In den meisten Fällen zählt Cashflow mehr. Cashflow gibt dir jeden Monat Kapital, das du sofort reinvestieren kannst. Exit Value zahlt einmalig aus und stoppt danach dein Compounding. Nur wenn dein klares Ziel der Verkauf ist, rückt Exit Value in den Vordergrund. Für Skalieren und Delegieren ist er zweitrangig.

Das klingt zunächst falsch, weil “keinen Exit Value” nach Nachteil klingt. In der Praxis ist es oft das Gegenteil. Ein reales Beispiel: Eine gemeinsam mit einem Co-Founder gestartete Firma kostete im Aufbau rund 200.000 bis 300.000 Euro, hat keinen nennenswerten Exit Value, wirft aber sehr guten Cashflow ab. Erfahrungsgemäß ist das für den Portfolioaufbau wertvoller als ein hübscher Verkaufspreis in ferner Zukunft, weil dieser Cashflow sofort die nächste Beteiligung finanziert.

Das eigentliche Problem sind kapitalintensive Firmen. Stell dir vor, du machst 300.000 Euro Gewinn im Monat, kannst dir aber gefühlt nichts auszahlen, weil jeder Euro sofort ins Wachstum zurück muss. Genau das passiert bei schnell wachsendem E-Commerce: mehr Ware, neue Produkte, mehr gebundenes Kapital. Wenn dann noch deine cashflowstarke Firma ihre gesamten Gewinne in ein oder zwei solche Beteiligungen pumpt, steckt dein komplettes Geld im Wachstum fest. Das ist ein echtes Risiko, kein theoretisches.

Der zweite Grund gegen den reflexartigen Exit ist Compounding. Verkaufst du eine Firma, unterbrichst du deinen Zinseszinseffekt. Du kannst danach ein neues Vehikel starten, aber der Schneeball, den du über Jahre gerollt hast, bleibt liegen. Selbst ein bekannter Investor wie Grant Cardone rät in solchen Fällen oft davon ab zu verkaufen, außer man braucht den Verkauf als Beweis für die eigene Personenmarke. Wenn deine Firma bereits delegiert ist und Cash abwirft, gibt es selten einen zwingenden Grund, sie herzugeben.

Wie du dein Portfolio bewusst zwischen Cash-Bringern und Cash-Fressern austarierst, vertieft der Beitrag zu den Lektionen aus einer Skalierungsstory.

Warum ist E-Commerce oft die falsche erste Firma?

E-Commerce ist als erstes Business meist die falsche Wahl, weil es kapitalintensiv ist. Je schneller die Firma wächst, desto mehr Kapital frisst sie: mehr Ware, mehr Produktentwicklung, mehr gebundenes Geld. Du kannst kaum Gewinne herausziehen und trägst ein hohes Cashflow-Risiko, obwohl der Exit Value hoch ist.

Der Widerspruch macht E-Commerce tückisch. Auf dem Papier ist der Exit Value stark, solche Firmen werden gut verkauft. Aber solange sie wächst, siehst du von dem Geld wenig. Fast alle E-Commerce-Firmen haben ein Cashflow-Thema im Wachstum, und wenn eine ins Plateau geht, um endlich Cash abzuwerfen, sinkt sofort die Bewertung, weil kein Wachstum mehr da ist. Du sitzt also in einer Zwickmühle: Wachstum kostet Cash, Cash-Auszahlung kostet Bewertung.

Es gibt Ausnahmen. Ein paar Leute betreiben ein E-Commerce-Business mit starkem Cashflow, aber das ist die seltene Ausnahme, nicht die Regel. Auch B2B-E-Commerce mit hohen Ticketpreisen, etwa Produkte für 5.000 bis 10.000 Euro, ändert am Grundmuster wenig: Vom Geschäftsmodell her bleibt es E-Commerce mit dem typischen Kapitalhunger.

Für den ersten Aufbau eignen sich deshalb cashflowstarke Modelle besser. Eine Agentur hat einen entscheidenden Doppelvorteil: Sie liefert Cashflow und behält gleichzeitig einen gewissen Exit Value. Sie ist zwar schwerer und langsamer zu verkaufen als eine Software, und der Käufermarkt ist enger, aber du bekommst beides. Genau diese Kombination macht die Dienstleistung zum idealen Startvehikel, wenn du eine Firmengruppe aufbauen willst. Wer sich speziell für den E-Commerce-Winkel interessiert, findet mehr im Beitrag zur E-Commerce-Beratung skalieren.

Verkaufen, skalieren oder delegieren: Welcher Weg passt?

Es gibt drei Wege mit einer Firma: verkaufen, sehr groß skalieren oder delegieren. Verkaufen bringt einmalig Kapital, stoppt aber Compounding. Skalieren funktioniert bei fast jedem Modell, wenn die Firma nicht nur von Neukundenumsatz und einer Personenmarke lebt. Delegieren macht dich frei, ohne die Firma herzugeben. Welcher Weg passt, hängt allein an deiner langfristigen Vision.

Der Verkauf ist der am meisten überschätzte Weg. Wer eine Agentur an eine Gruppe verkauft, ist selten sofort raus. In der Praxis bindest du dich meist für rund zwei Jahre, musst in der Gruppe mitarbeiten, unter fremden Regeln weiter wachsen und verlierst einen Teil deiner Eigenständigkeit, weil die Incentives auf Weiterwachsen ausgelegt sind. Es gibt gute Beispiele für Agenturgruppen, die über Zukäufe auf dreistellige Millionenumsätze gewachsen sind, das funktioniert. Aber du solltest vorher ehrlich prüfen, ob du diese Bindung willst.

Skalieren ist der Weg für große Visionen. Wenn du eine Firma auf 100 oder 200 Millionen baust, ist der ursprüngliche Firmentyp fast egal, solange sie breit aufgestellt ist und nicht an einer Person hängt. Der Haken: In vielen Nischen gibt es eine natürliche Decke. In einem konkreten Beratungsmarkt liegt die realistische Obergrenze erfahrungsgemäß bei rund 3 Mio Umsatz im Monat. Marktbeobachtungen zeigen einzelne Teilnehmer bei etwa dieser Größe. Alles darüber, etwa 10 Mio im Monat, wäre nur unter klaren Zusatzbedingungen möglich, zum Beispiel wenn Internationalisierung durch KI plötzlich einfach wird: Ads sofort übersetzt, CRM übersetzt beim Telefonieren, Zoom übersetzt live. Solange das nicht steht, ist Internationalisierung für viele Dienstleister zu komplex, um sich zu lohnen.

Delegieren ist der unterschätzte dritte Weg und für viele der klügste. Delegation ist dabei kein Lichtschalter. Du machst nicht heute 50 Stunden und morgen null. Du gehst von 50 auf 40, dann 30, dann 20 Stunden, während du deine Rollen sauber ersetzt: starke Führungskräfte, irgendwann ein Geschäftsführer, den du aus dem Team entwickelst oder mit starkem Track Record hereinholst. Erst wenn die Firma founderunabhängig läuft, hast du die Freiheit, ihren Cashflow für Beteiligungen einzusetzen. Wie du diesen Übergang schaffst, ohne dich zu verheizen, zeigt der Beitrag zum Skalieren mit 40-Stunden-Woche.

WegWas du bekommstWas es kostet
Verkaufeneinmaliges Kapital, Exit-Beweisgestopptes Compounding, 2 Jahre Bindung
Skalierengroßer Umsatz und Enterprise Valueviel Zeit, Marktdecke pro Nische
DelegierenFreiheit plus laufender Cashflowstarke Führungskräfte, Aufbauzeit

Wann ist der richtige Zeitpunkt für Beteiligungen?

Der richtige Zeitpunkt ist früher, als die meisten denken. Erfahrungsgemäß solltest du mindestens rund 15 bis 30 Leute im Team haben, damit dein Kerngeschäft nicht leidet, wenn du dich um Beteiligungen kümmerst. In kapitalgetriebenen Bereichen wie E-Commerce, wo eher mit Geld als mit Personal skaliert wird, kann es auch früher sinnvoll sein.

In der Praxis zeigt sich, dass die entscheidende Erkenntnis oft bei rund 40 bis 50 Mitarbeitern im Kerngeschäft kommt: Ab hier lässt sich über Beteiligungen ein enormer Wachstumshebel erzeugen, ohne dass alles am Founder hängt. Wer das einmal als Vehikel aufgebaut hat, mit klarer Struktur und Prozessen, kann es wiederholen. Du wirst mit Beteiligungen kaum zu früh starten, solange dein Hauptgeschäft stabil steht. Der Fehler ist eher, zu lange zu warten.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen zwei Arten von Beteiligungen. Die erste ist der Kauf einer bestehenden Firma, die zweite der Aufbau von null gemeinsam mit einem Co-Founder. In der Praxis funktioniert der Aufbau von null oft besser. Ein Grund ist die Verhandlung: Bei einer bestehenden Firma, die etwa 200.000 Euro Monatsumsatz macht, wird die Frage der Anteile schnell zäh. Nimmst du dagegen einen starken Founder mit guter Synergie und baut ihr die Firma gemeinsam bei null auf, ist die Ausgangslage klar.

Ein reales Beispiel für Tempo: Eine gemeinsam gestartete Firma erreichte im sechsten Monat eine Run-Rate von rund 650.000 bis 750.000 Euro Monatsumsatz. Wenn du weißt, wie man von null auf eine Million im Monat kommt, ist die Frage nicht mehr, ob es klappt, sondern wie lange es dauert: ein Jahr, zwei Jahre, vier Jahre. Bestehende Firmen kaufst du dann nur noch bei einem echten Zehn-von-zehn-Fit, sowohl beim Deal als auch bei der Person. Wie ein einzelner sauberer Prozess dabei den Unterschied macht, zeigt der Beitrag Ein Prozess bis sechsstellig.

Was macht ein Portfolio langfristig wertvoll?

Langfristig wertvoll wird ein Portfolio durch Compounding, gute Founder und die Balance zwischen Cash-Bringern und Cash-Fressern. Compounding ist der Zinseszinseffekt deines gesamten Konstrukts. Firmen, die diesen Effekt stark ausspielen, etwa lokale Ketten mit vielen Standorten, sind besonders wertvoll, weil jeder neue Standort schnell Gewinn abwirft und reinvestiert wird.

Compounding ist die wichtigste Größe überhaupt. Warren Buffett und Charlie Munger haben immer betont: Du willst so viel Compounding wie möglich, und das Dümmste ist, es zu unterbrechen. Genau deshalb ist der reflexartige Exit oft ein Fehler. Ein Gesundheitskonzept mit eigenen Standorten hat einen extrem starken Compounding-Effekt: Eine lokale Kette ist schwer zu kopieren, jeder Standort macht relativ schnell Gewinn, und je größer das Ganze wird, desto mehr neue Standorte lassen sich finanzieren. Der Schneeball rollt von selbst.

Der zweite Hebel ist die Qualität der Menschen, und die entsteht durch Recruiting. Ab rund 20 Mitarbeitern ist die Qualität deiner Leute quasi identisch mit der Qualität der Firma, gerade in Dienstleistungen. Deshalb übernimmt ein starkes Portfolio oft zentral das Recruiting für seine Firmen: gute Leute reinholen, schwache konsequent entfernen, den Rest sauber führen. Das ist ein Gamechanger, den viele unterschätzen.

Der dritte Hebel ist Resource Allocation, also die wichtigste Aufgabe eines CEOs. Studien mit den besten CEOs zeigen, dass sie sich nicht durch ein einzelnes Talent auszeichnen, sondern durch die Frage, wohin sie Ressourcen lenken: Wo geht das Geld der Firma hin, welche Projekte werden angegangen, wie investiert der Founder seine Zeit. Effektivität schlägt dabei immer Effizienz. Wer den Rasen mit der Schere schneidet, kommt nicht voran, egal wie effizient er schneidet. Erst die richtige Strategie, dann die saubere Umsetzung.

HebelWirkung im PortfolioPraxisbeispiel
CompoundingKapital verzinst sich statt zu stagnierenStandortkette, die Gewinne reinvestiert
RecruitingQualität der Leute wird Qualität der Firmazentrales Recruiting für alle Portfoliofirmen
Resource AllocationGeld und Founderzeit fließen in die größten Hebelgemeinsame Strategie statt Einzelaktionen

Und dann kommt Disziplin bei den Kosten dazu. Fett sammelt sich in jeder Firma schnell an, und dieses Fett muss regelmäßig weggeschnitten werden, in der Praxis monatlich, damit die Firma kapitaleffizient wächst und saubere Profite abwirft. Wie diese Prinzipien einen realen Wachstumssprung getragen haben, liest du im Beitrag Von 10k auf 670k pro Monat.

Wie triffst du die richtige Entscheidung für deine Firma?

Du triffst die richtige Entscheidung, indem du zuerst deine langfristige Vision festlegst und daraus rückwärts arbeitest. Willst du verkaufen, skalieren oder delegieren? Erst diese Antwort entscheidet, ob Exit Value oder Cashflow zählt, welche Beteiligungen passen und wie du deine Zeit einsetzt. Ohne diesen Nordstern verzettelst du dich.

Der befreiende Effekt einer klaren Strategie ist, dass viele Fragen plötzlich egal werden. Ob eine cashflowstarke Coaching- oder Beratungsfirma einen Exit Value hat oder nicht, ist irrelevant, wenn dein Ziel ein Gesamtkonstrukt von zum Beispiel 100 Mio Umsatz und rund 30 bis 40 Mio Gewinn im Jahr ist. Dann brauchst du keinen Käufer, du brauchst ein funktionierendes System mit klarer Richtung. Genau das macht die Entscheidung leicht: Du misst jede Option an deinem Nordstern, nicht an dem, was gerade als schlau gilt.

Ein häufiger Trugschluss ist der Zwang, als Agentur unbedingt in Software springen zu müssen. Das ist selten die richtige Lösung. Deine Agentur ist meist ein wirklich gutes Asset, mit dem du das Wachstum anderer Firmen antreiben kannst. Enterprise Value ist da, nur eben nicht so hoch wie bei Software. Aber du bekommst Cashflow und teilweise Exit-Möglichkeit gleichzeitig, und dieser Cashflow ist der Treibstoff für dein Portfolio. Wer alles auf einen späteren Software-Exit setzt, gibt diesen Treibstoff auf.

Am Ende gibt es nicht den einen Weg, sondern viele, die nach oben führen. Entscheidend ist eine langfristig gute Vision und ein klarer Blick, wohin das Konstrukt wachsen soll. Das zieht auch die richtigen Leute an: Je besser deine Richtung, desto stärker die Menschen, die sich dir anschließen. Wenn du das strukturelle Fundament dafür schärfen willst, wie diese Vision in konkrete Firmenschichten übersetzt wird, hilft der Beitrag Strategie vor Taktik.

Die eine Frage, die du dir jetzt stellst, lautet also: Willst du deine Firma verkaufen, willst du sie skalieren oder willst du sie delegieren? Aus dieser Antwort folgt der Rest von selbst.

Häufige Fragen

Ab welcher Größe sollte ich eine Firmengruppe aufbauen?

In der Praxis lohnt sich der Einstieg, sobald dein Kerngeschäft rund 15 bis 30 Leute im Team hat und ohne dich einigermaßen läuft. Dann kannst du Beteiligungen machen, ohne dass dein Hauptgeschäft leidet. Bei E-Commerce-nahen Modellen mit viel Kapital statt Personal geht es teils früher.

Muss ich meine Firma verkaufen, um Geld herauszuziehen?

Nein. Neben dem Exit gibt es zwei starke Wege: die Firma sehr groß skalieren oder sie so weit delegieren, dass sie ohne dich Cashflow abwirft. Aus diesem Cashflow finanzierst du Beteiligungen. Ein Verkauf unterbricht dein Compounding, deshalb ist er nicht automatisch die beste Wahl.

Warum ist Cashflow wichtiger als Exit Value?

Weil Cashflow dir jeden Monat Kapital gibt, das du reinvestieren kannst. Exit Value zahlt einmalig aus und stoppt danach dein Compounding. Kapitalintensive Firmen wie E-Commerce binden dein Geld im Wachstum, cashflowstarke Dienstleistungen finanzieren dagegen deine nächsten Beteiligungen.